Tourenfahrer Testbericht Ténéré

Tourenfahrer 09/2008

Tourenfahrer Testbericht Ténéré

Veröffentlicht am:

Von vorn bis hinten ausgeklügelt und funktionale Details in Hülle und Fülle

Sechstausendneunhundertfünfundneunzig Euro! Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. 6995 Euro für ein Motorrad, mit dem man direkt aus dem Yamaha-Showroom zur Weltumrundung aufbrechen kann. Ohne auch nur eine Schraube tauschen zu müssen, ohne ein paar Monatsgehälter in Zubehörteile stecken zu müssen. Losfahren, einfach so, und es wird nicht die strapaziöseste Form der Weltumrundung werden, das wagen wir einfach mal zu behaupten.

Zu wenig Leistung, meinen Sie? Mit 48 PS auf Reisen, ja, das hat man in den Achtzigern gemacht, aber das sei doch heute nicht mehr zeitgemäß? Die Ténéré schafft echte 170 km/h, ein Land Rover Defender, also das vierrädrige Globetrottermobil schlechthin, läuft Spitze 132 – und selbst die wird man außerhalb Europas nicht fahren wollen, wenn man nur einen Funken Selbsterhaltungstrieb verspürt. Ein Reiseveranstalter im südlichen Afrika etwa hat erzählt, dass er seine XT-Palette massiv hat drosseln müssen, weil sich seine Kundschaft reihenweise zerlegt hat. Und wer McGregor und Boorman auf ihren Adventure-BMWs zusieht, wird feststellen, dass einem sowohl Russland als auch der Schwarze Kontinent nicht gerade an jeder Ecke die Gelegenheit geben, 100 PS auszureizen. Und im Rest der Welt sieht’s nicht viel anders aus.

Von vorn bis hinten ausgeklügelt und funktionale Details in Hülle und Fülle

Let’s face it, Freunde. Yamaha hat die Legende wirklich wieder auferstehen lassen, und das ist kein großes Marketing-Tam-Tam um ein halbherzig zusammengestecktes Motorrad im Expeditions-Outfit, das kaum mehr kann als gut auszuschauen. Man hat sich wirklich auf die alten Tugenden besonnen und eine Ténéré auf die Räder gestellt, die von vorn bis hinten ausgeklügelt und durchdacht wirkt und funktionale Details in Hülle und Fülle bietet. Zugeschnitten auf diejenigen, die wirklich losfahren wollen, wohlgemerkt. Wer nur im Abenteuer-Look Bestzeiten auf der Hausstrecke einfahren will oder den Asphalt eh niemals verlassen möchte, dem könnte es heutzutage mit 48 PS tatsächlich ein bisschen langweilig werden, das ist klar.

Auch den Traum, genau wie vor 25 Jahren mit einer Serien-Ténéré in die Top Ten der nächs ten Dakar-Rallye zu fahren, kann man sich getrost abschminken, weil sich im Rallyesport in einem Vierteljahrhundert dann doch ein bisschen was getan hat. Aber von Sport redet Yamaha im Zusammenhang mit der Ténéré auch nicht – man ist sich durchaus bewusst, in Zeiten von 300 Kilo schweren Reise-Enduros mit 100 PS ein Nischenmodell kreiert zu haben, das nur diejenigen schätzen werden, die wissen, worauf es bei einer Fernreise wirklich ankommt. Und das kann man Yamaha gar nicht hoch genug anrechnen.

Den vollständigen Artikel finden Sie unter: www.tourenfahrer.de

Zurück nach oben